Projektmanagement: planen, sprinten, träumen

Planen

Projekte werden üblicherweise geplant. Noch bevor es richtig losgeht, wird der Verlauf fixiert. Es werden Ressourcen zugeordnet, Meilensteine festgelegt, Toleranzen berechnet usw. Dies kann ein mühsames und riskantes Geschäft sein.

Projektmanagement Wagnis

Gut ist der Plan, wenn es gelingt, die kommende Realität an diesen anzupassen.

Projektmanagement ganttDie Dominanz der Struktur des Planes soll die vorhersehbare Zielerreichung sicherstellen. Selbst sehr komplexe Projekte, wie der Bau eines Hochhauses können so bewältigt werden.

Sprinten

Insbesondere in der Softwareentwicklung werden mit dem „Agilen Projektmanagement“[1] neue Wege gegangen.

Auch hier gibt es ein Ziel, aber die Dynamik des Weges dorthin steht im Vordergrund.

Ein gutes Management verliert das Ziel nicht aus den Augen, bietet aber Strukturen, die möglichst viel Bewegung zulassen.

Projektmanagement ScrumIn „Scrum“ werden kurze Sprints definiert. Die Ergebnisse werden erprobt und fließen in die nächste Definition ein. Der „Master“ leitet nicht das Team. Er sorgt sich vielmehr um den geschützten Raum, in dem das Team selbstorganisiert die vereinbarten Anliegen umsetzt.

Auffällig ist, dass mit Hilfe sehr klarer Strukturvorgaben (Rollen, Verfahren usw.) Freiräume geschaffen werden, die eine große Dynamik ermöglichen. Starre Strukturen und heftige Bewegungen beziehen sich ähnlich wie im Rugby aufeinander.[2]

Das Projektmanagement plant nicht diesen Prozess, sondern begleitet ihn. Der Komplexität wird hier mit Agilität begegnet.

Träumen

Projektmanagement Dragon DreamingDie Vision wird im Projektmanagement des Dragon Dreaming[3] als Hinweis auf die schmerzliche Spalte zum Istzustand angesehen. Das Projekt ist somit eine Art Heilung, die von einer lockenden Zukunftsgestalt vorangetrieben wird. Aus der Imagination eines Individuums wird ein soziales Projekt und aus der Vision ein ausgehandeltes Ziel.

An die Beteiligten stellt sich die Frage:

„Was müsste während und durch dieses Projekt geschehen, damit Du weißt, dass Du Deine Zeit nicht sinnvoller hättest verbringen können?“

Die Entwicklung des Projektes geht einher mit einem Wachstumsprozess der Personen.

Im Projektmanagement wird darauf geachtet, dass die vier Bereiche eines Projektes (Träumen, Planen, Feiern und Handeln) gleichberechtigt zum Zuge kommen. Gerade dem Feiern wird eine besondere Bedeutung zugeschrieben:

„Ohne eine gesunde Kultur des Feierns und der gegenseitigen Wertschätzung nähren wir uns nicht genügend, verlieren früher oder später die Freude am Tun und sind erschöpft.“ (John Croft)[4]

Die vier Bereiche sind die wesentliche Grundlage für das Gelingen und die Nachhaltigkeit. Der Rhythmus des Projektes wird dem Menschenbild angeglichen.

Dragon Dreaming versteht sich als Aufforderung, die eigenen Visionen ernst zu nehmen und Widersprüchen nicht aus dem Weg zu gehen. An dem Ort, an dem die Angst zunimmt, wird der Ort der noch schlummernden eigenen Kraft gesehen.

Projektmanagement: Technik-Leben

Die Unterschiede der drei Arten vom Projektmanagement liegen nicht im Grad der Dynamik. Auch wenn die beiden letztgenannten Methoden die Beweglichkeit sehr wichtig nehmen, so kann auch ein klassisches Projekt u.a. aufgrund von Druck eine starke Dynamik entwickeln.

Auch der Grad der Komplexität[5] bei den Projekten ist nicht ausschlaggebend. Die agile Methode tritt zwar an, Komplexität effektiv managen zu können, aber nach wie vor werden die meisten komplexen Projekte klassisch strukturiert. Und mit Dragon Dreaming werden ganze Gemeinschaften gegründet und auch umfangreiche Softwareprojekte durchgeführt.

Projektmanagement Technik Leben

Die Frage ist vielmehr, inwieweit ein Projekt als ein technisches Problem oder als ein lebendiger Prozess verstanden wird.

Im klassischen Verständnis erscheinen Menschen als auf bestimmte Eigenschaften reduzierte Ressourcen. Beim Dragon Dreaming werden demgegenüber gerade die typisch menschlichen Aspekte wie das Träumen und Feiern wichtig genommen.

Dies bestimmt die Beziehung zwischen Struktur und Bewegung. Auf der einen Seite wird die quantifizierte Arbeitskraft in einer kausalen Abhängigkeitskette integriert. Und auf der anderen Seite wird ein auf Heilung und Wachstum orientierter Prozess initiiert.

Dazwischen liegt das Agile Projektmanagement.[6] Die Softwareentwicklung erscheint hier als ein technischer Vorgang, der als ein sozialer Prozess gestaltet wird.

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[1] Zum Agilen Projektmanagement liegt sehr viel Literatur vor. Eine gute Einführung: Henning Wolf/ Wolf-Gideon Bleek: Agile Softwareentwicklung. Ein Einführung in Scrum bietet Ken Schwaber: Agiles Projektmanagement mit Scrum. Ins Detail geht Ralf Wirdemann: Scrum mit user stories.

[2] Scrum ist im Rugby das ‚Gedränge‘, die Sammlung, die Ruhe bevor der Sprint, die Bewegung freigesetzt wird. Ein Übersichtsplakat zu Scrum .

[3] Dragon Dreaming wird vor allem durch den Australier John Croft geprägt. In zahlreichen Seminaren insbesondere in Gemeinschaftsprojekten (Sieben Linden, Steyerberg u.a.) wird der Ansatz weiterentwickelt. Ein interessanter Text: John Croft: Charismatische Kommunikation: Ein Werkzeug zur Teambildung.

[4] dragondreaming.info

[5] Zum Thema Komplexität vgl. zwei Blogartikel von Peter Wallner: Ein Essay über Komplexität und das Leben

[6] In der Animation “Human-centered design meets Agile Development” wird die agile Methode unter dem Aspekt der Zentrierung auf den Menschen diskutiert.
Oft wird agiles PM nur auf ‚immaterielle Projekte‘ bezogen. Bei Bauprojekten also auf die Planungsphase. Dies ist zu eng. Auch ein Bau kann iterativ wachsen. Dies setzt aber insbesondere andere Zeitvorstellungen voraus.

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