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Männer, die sich zeigen sind schön.

Männer sehen und hören

Zwei Medien haben mich in letzter Zeit sehr beeindruckt.
Da ist zum einen der Dokumentarfilm „Der Chor der harten Kerle“. Drei Monate begleitet die Kamera diese „ziemlich mittelmäßigen Kerle mit schlechtem Gehalt und wenig Status“. Am Ende stirbt ihr Dirigent und sie singen als Vorgruppe zu Black Sabbath.


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„Ich bin ein normaler Typ,
mit einem normalen Job.
Ich bin euer durchschnittlicher
weißer Vorstadt-Sack.
Ich mag Fußball und Pornos
und Bücher über den Krieg.
Ich bin ein Arschloch …“

Es ist ein ernster Film, in dem viel Freude ist. Er berührt in seiner schlichten Weise, wie die Männer vorgestellt werden. Und er zeigt, wie schön es aussieht, wenn die Liebe zwischen diesen Kerlen ein offenes Geheimnis ist.

Die Männer sind sehr unterschiedlich und doch sind sie im Chor verbunden. „Einzeln klingen wir einfach nur schräg, aber zusammen hört sich das ziemlich sauber an“.

Sie singen darüber, warum es „beim pinkeln weh tut“ oder wie es ist, wenn sich die eigene Frau in den besten Freund verliebt.

All dies zeigt der Film aber ohne jeden Klamauk. Dafür sorgen schon die Gespräche mit dem Dirigenten. Er steht im Zentrum vom Chor und vom Film. Er weiß, dass er in den nächsten Wochen an Krebs sterben wird und alles zum letzten Mal macht.

Das gibt dem Film eine große Intensität: Männer, die grobe Sprüche kloppen, aber eben auch ihre Zuneigung und Trauer offen zeigen. Männer, die sich in ihren Fassetten nicht verstecken.

Diese ausdrucksstarken feinen Gesten zeigen wie lächerlich die Männerklischees doch sind.

Nackte Männer

Auf der anderen Seite ist da das Buch „huMANNoid. Männer sind Menschen“.[i] Es ist ein Interviewband mit 16 Männern. Die Interviews sparen die üblichen Fragen nach Beruf, Alter und Wohnort aus und gehen gleich ins Eingemachte: Fragen zum eigenen Körper, zur Sexualität, zu Gewalterfahrungen und eigenen Gewalttaten, zu Beziehungen und Gefühlen.

Wie würdest du dein Erleben bei der Penetration beschreiben?

Ich habe selbst zahlreiche Interviews mit jungen Männern über Erfahrungen mit Gewalt, Ausgrenzung und der familiären Situation geführt.[ii] Es ist ein gutes Gefühl, wenn sich die Menschen öffnen, sich zeigen, die Chance bieten, sie kennen zu lernen. Ich habe als Schutz dafür die volle Anonymität zugesagt.

Was hast du als Kind an deinem Vater bewundert und was hat dir gefhlt?

Eilert Bartels, der Autor des Buches, geht einen ganz anderen Weg. Er zeigt sich selbst und lässt sich auch interviewen. Es entstehen intime Gespräche auf Augenhöhe, denen man beiwohnen darf. Ganz unaufgeregt und nahe lernt man so Menschen kennen. Sie machen sich nackt. Manche sind da vorsichtiger und andere sehr offen. Aber immer sind konkrete Menschen erkennbar.


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Aber, als ob das an Offenheit noch nicht genügen würde, waren alle Männer vorher bei einem Fotoshooting, bei dem sie eben nackt und ungestylt abgelichtet wurden. Gerade durch ihre Unprofessionalität als Models sind sie sichtbar.

Wie gehst du in Körperkontakt?

Intimität und Offenheit

Das große und schwere Buch ist also voll mit Männern, die sich in Worten und Bildern nackt zeigen.

Ist dir körperliche, seelische oder sexuelle Gewalt widerfahren?

Sie drücken sich in einem geschützten Raum aus und wissen gleichzeitig, dass dieser Raum durch das Buch geöffnet wird. Intimität und Öffentlichkeit werden so neu verhandelt. Dieses sich Zeigen und gleichzeitig Intimität wahren, führt zu einem dichten Erlebnis.

Was sind deine erogenen Zonen?

Es ist berührend, andere Männer bei diesem Abenteuer zu sehen. Aber so richtig spannend wird es, sich dies ins eigene Leben zu holen: würde ich mich so fotografieren lassen? Warum eigentlich nicht? Wie diplomatisch oder offen würde ich auf die Fragen antworten? Was würde ich sagen und wie würde ich mich vor der Kamera öffnen?

Eins aber ist klar: Männer, die sich zeigen sind schön.


[i] Eilert Bartels: huMannoid. Männer sind Menschen. 160 Fotografien, 16 Interviews. Böhland & Schremmer Verlag. 2019

[ii] Ingo Diedrich: Aus-einander-setzung mit Gewalt – eine orgonomisch-funktionalistische Argumentation. Eine Analyse autobiografischer Interviews u.a. mit gewaltkriminellen Jugendlichen und eine gesellschaftliche Einordnung

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