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Neulich kam es beim Bäcker zu einem folgenschweren Gespräch.
Drei Handwerker kamen herein und wollten sich etwas zum Frühstück holen.

Postmoderne - Kaffee

Handwerker: Drei Kaffee, bitte.
Verkäuferin: Kleine Tassen oder große Tassen?
Handwerker: (beraten sich) Na, normal halt.
Verkäuferin: Normal gibts nicht.
Handwerker: (Verwirrung und zeigen dann auf den „Pott“) Na, dann den da.

Früher war das einfacher. Man bestellte eine Tasse Kaffee und bekam sie. Wer mehr Geld investieren wollte, bestellte ein Kännchen und bekam eine leere Tasse dazu.
Dann brachten wir exotische Wünsche aus dem Urlaub mit und man kann nun  zwischen Espresso, Cappuccino, Latte usw. auswählen. Die Vielfalt stieg. Aber wer einen „normalen Kaffee“ bestellt, bekommt nach wie vor einen Filterkaffee.

Moderne – Postmoderne

So ist das in der Moderne: man handelt eine Norm aus und alles andere weicht halt ab oder ist einfach was Besonderes. Filterkaffee ist (noch) der normale Kaffee. Manchmal muss man die Normalität wieder aushandeln. Aber man weiß so immer woran man ist.

Und da kommt die Verkäuferin und sagt einfach: Normal gibts nicht.
Ist das das Ende der Moderne bzw. der viel beschworene Beginn der Postmoderne?
Die Normalität wird einfach nicht mehr ausgehandelt. Stattdessen werden kleine und große Tassen gleichberechtigt nebeneinander angeboten. Die Verwirrung der Handwerker ist nur zu verständlich. Woran soll man sich da orientieren, wenn die ewigen Koordinaten Normal <-> Abweichung abgeschafft werden?

Etwas Panik stieg in mir auf und so habe ich bei diesem Bäcker der Postmoderne sicherheitshalber einen Cappuccino bestellt. Den gab es nur in einer Größe.

Postmoderne Angst

Für den Soziologen Z. Bauman steht in der Moderne der horror vacui, die Angst vor der Leere im Zentrum. „Die Moderne war eine fortwährende, kompromißlose Anstrengung, die Leere zu füllen oder zuzudecken.“ (S.17) Ständig wird versucht, durch „Ordnen“ den Ungewissheiten und Ambivalenzen Herr zu werden und so Normalität herzustellen.
„Die Sünde der Postmoderne besteht darin, die Anstrengung aufzugeben.“ (17) Wenn der Glaube an die Schaffung dieser Normalität zerfällt, wird die Angst vor der Leere wieder deutlich spürbar.

Und alles begann in dieser Bäckerei ….

 

Quelle:

Bauman, Zygmunt: Ansichten der Postmoderne. Hamburg: Argument Verlag. 1995