Der leichte Weg des Leidens

Wer einmal seinen Fuß auf diesen Weg gesetzt hat, braucht ihn nie wieder zu verlassen. Der Weg ist breit und ohne Hindernisse angelegt. Er ist gut ausgeschildert und bietet das, was uns heute am meisten fehlt: eine klare Orientierung.

Wer Zweifel an der Richtung bekommt, braucht nur kurz in den Freundeskreis, in die Natur oder in die Nachrichten zu schauen: Sofort wird klar, wo die Probleme und das Leid liegen. Es gibt genug davon. Die Schilder sind unübersehbar. Man muss ihnen nur folgen und ist schon wieder auf dem richtigen Pfad.

Dieser Weg ist gepflastert mit Steinen der Traurigkeit, Einsamkeit und Wut. Es ist keine schöne Route und sie führt durch eine sterbende Landschaft. Aber es ist ein leichter und nicht zu verfehlender Weg. Man muss im Fortschreiten nur wegschauen oder sich kümmern. So oder so ist das Weiterkommen gesichert. Jeder Schritt bestätigt, dass die Welt Leid ist und die Richtung noch stimmt.

Es gibt aber immer noch ein paar unverbesserliche Optimisten, die meinen, fernab einen eigenen Trampelpfad gehen zu müssen. Deren Leben ist schwer und voller Probleme. Sie müssen sich ständig gegen den gesunden Menschenverstand wenden und Orientierung suchen wo keine angeboten wird. Und das Schlimmste ist, dass sie nicht einmal ihr Problem sehen und sich nicht helfen lassen wollen.

Print Friendly, PDF & Email

2 Gedanken zu „Der leichte Weg des Leidens

  1. Annette Gramss

    Der Text erschrickt mich, weil er mich anspricht.
    Er spricht mein eingefleischtes, verkörpertes Mangelbewusstsein an.
    In meinem Leben gibt es keinen existentiellen Mangel und doch fühlt es sich immer wieder so an, als wäre mein Leben ein Notfall.
    „Gott sei Dank“ sind diese festgehaltenen Strukturen veränderbar und deine Texte bieten immer wieder den Austausch darüber an. Danke dafür.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.