Das BVJ überleben

BVJ – die große Vielfalt

Am 29./30. April 2010 fand in Dresden die „3. Bundesweite Fachtagung zur schulischen Berufsausbildungsvorbereitung“[1] (BVJ) statt. Lehrkräfte und andere Fachleute trafen sich, um das Thema voranzubringen.

So ging es in einem Workshop um die Kompetenzen, die zur Arbeit in diesem pädagogischen Bereich notwendig sind.[2] Aus vier Perspektiven (Schüler/Eltern, Wirtschaft, Politik und Lehrkräfte) wurden zentrale Merkmale herausgearbeitet und in Fortbildungsvorschlägen umgesetzt.

BVJ Uebergangssystem

Die Lehrkräfte sollen demzufolge kooperationsorientiert, authentisch und flexibel sein; sie sollen alle neuen Programme „widerspruchslos“ umsetzen, die Jugendlichen individuell begleiten und gleichzeitig „erziehen“ und natürlich auch inhaltlich bzw.  methodisch auf der Höhe der Zeit sein.

In diesem Arbeitsbereich gibt es keinen Mangel an Vielfalt: weder bei den Anforderungen, noch bei den Projekten, Programmen, Maßnahmen, Methoden und Ideen.

Wer hier nicht einen eigenen roten Faden mitbringt, fühlt sich schnell überschwemmt und überfordert. So wundert es nicht, dass im Workshop auch eine Fortbildung entwickelt wurde, die den vieldeutigen Titel „Das BVJ überleben“ trägt: Überlebensstrategien der Jugendlichen und der Pädagogen stehen hier im Zentrum.

BVJ – Aufbau und drohendes Ende

Die erste Tagung dieser Reihe fand vor sechs Jahren statt. Sie sollte das BVJ stärken und den Pädagogen in diesem ungeliebten Feld Anerkennung und Wertschätzung zukommen lassen.

BVJ-uebergangssystemAuf der zweiten Tagung vor drei Jahren standen „neue Wege“ im Vordergrund. Der „Mark der Möglichkeiten“ und die zahlreichen Workshops verwiesen in dieser Differenzierungsphase auf die Vielfalt. Gleichzeitig war längst ein Institutionalisierungsprozess eingetreten, der dem Bereich den Stempel „so genanntes Übergangssystem“ verpasste.

Das Übergangssystem ist konsolidiert und stabil – die dritte Tagung routiniert.

Und doch gibt es einen Wandel. Harald Schlieck[3] von der Handwerkskammer kann zwar nach wie vor seine Forderungen an die Schule formulieren, aber Klaus Wilhelm Ring[4] vom Hessischen Kultusministerium kann offensiv dem entgegenhalten: „Sie sind von uns abhängig!“  Und Harald Schlieck nickt vorsichtig.

BVJ TagungDieses neue Selbstbewusstsein der Schulseite ist aber nicht dem Erfolg der eigenen Maßnahmen, sondern einfach dem demografischen Wandel geschuldet. Der Wirtschaft gehen die Jugendlichen aus.

Dies kann eine Chance für die Jugendlichen, für die Ausbildung und für die Kooperation sein. Werden die Jugendlichen das Stigma der Überflüssigkeit verlieren und wird somit der Eigenverantwortlichkeit eine größere Chance eingeräumt? Oder ist die Beharrungskompetenz der Schulen und der Wirtschaft zum festen Bestandteil des Übergangssystems geworden?

Schon auf dem Abschlusspodium kam die vorsichtige Frage: Wird das BVJ überleben?

Harald Schlieck outete sich als „großen Fan des BVJ“, forderte aber gleichzeitig, dass der Bereich grundsätzlich und mutig neu gedacht wird.

Die nächste Tagung soll ganz unter dem Motto der Kooperation zwischen Schule und Wirtschaft stehen. Sie soll sogar in einem Betrieb stattfinden.

Eine Liebeshochzeit wird das nicht!

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[1] Vgl. ibbw: III. Bundesweite Fachtagung zur schulischen Berufsausbildungsvorbereitung. Übergänge – Anschlüsse – Perspektiven

[2] Vgl. Ingo Diedrich, Tilman Zschiesche: Bestandsaufnahme des Fort- und Weiterbildungsangebots für Lehrkräfte an beruflichen Schulen bezogen auf das Handlungsfeld der beruflichen Benachteiligtenförderung und den Übergang von der Schule in die Arbeitswelt. 2009.

[3] Harald Schlieck

[4] Klaus Wilhelm Ring

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